jensaugust_HueterVonBabel

Die Frage, was macht eigentlich eine gute Übersetzung aus, ist mannigfach gestellt und schlicht bis hoch akademisch beantwortet worden. Die Frage dazu, ob nun der Text rein sachlichen oder literarisch-poetischen Inhalts ist, ist dabei naseweis – gelten doch für eine gute Übersetzung die gleichen Qualitätskriterien. Doch was ist gut?

Gut ist das Treffende, nicht unbedingt das Wörtliche. Gut ist, wenn der Duktus erfasst und ins Andere behutsam transportiert wird. Der Übersetzer ist zuallererst ein Über-setzer, er bewegt gleichsam die Sprache in eine andere, dem Inhalt gemäße. Er ist nie frei dabei, er trägt stets die Ketten des Originals. Er ist ein williger Sklave. Das dienende Verständnis ist entscheidend – denn wer sich am Material bedient, um seiner Dienstleistung einen schöpferischen, das Original verdeckenden Wert zukommen zu lassen, ist ein Wort-verletzer.

Das Erfindende und Kreative dabei sollte im Eigenverständnis des Übersetzers zurückhaltend und diszipliniert Anwendung finden. Er muss sich etwas trauen, Verwegenheit indes ist seine Sache nicht – darf es nicht sein. Dies hängt natürlich auch von der Imagination und dem Sprachgefühl des jeweiligen Naturells ab. Heikel und schwer auszubalancieren sind dabei Präferenzen und die Hingabe an eine vermeintlich stimmige Tonalität. Der Komponist legt die Tonart fest, nicht die Ausführenden! Der Tonsetzer ist hier der Wortsetzer, also der Autor respektive der Texter.

Prinzipiell ist der Übersetzer ein Wahrer der Sprachenvielfalt und somit ein wichtiger Kulturträger. Für sprachenübergreifende Kommunikation ist der Übersetzer ein zentraler Mittler, der in seiner Profession kulturelle Botschaften aussendet – und das mittels des Mediums, das unmittelbar und weiträumig unseren sozialen Umgang prägt und bestimmt. Er sprengt keine Grenzen, er ist per se ein Grenzgänger.

Im Selbstbedienungssortiment des World Wide Web tummeln sich mittlerweile unzählige Übersetzungsanbieter. Eigentlich sind es eher Copy-and-paste-Versetzungsinstrumente, die mal ins Schwarze treffen, zumeist aber kräftig danebenliegen und sinnentstellend ihr Unwesen treiben.

Wer etwas Gutes will, kommt um menschliche Skills nicht herum. Wer von digitalen Automatismen Akkuratesse verlangt, ist bestenfalls gläubig aber nicht realistisch. Es gibt Dinge, die in technisierter Prozedur nicht machbar sind. Sprachgefühl ist immateriell. Semantische Abwägung, das Aufspüren von Untertönen und Doppelbödigkeit, das Identifizieren von uneigentlichen Bedeutungsebenen, Chiffren und Bildung von Neologismen – das ist immer noch Kopfhandwerk.

Jetzt und immerdar.