Image_IsneNein, falsch geraten: kein verschollen geglaubter weiblicher Vorname aus dem Vorderasiatischen. Der Fall liegt wortgruppenartig anders. Viel schwerwiegender, und akustisch schmerzhafter.

Doch wie schreiben? Mit oder ohne dem, eine Buchstabenunterschlagung anzeigenden Apostroph – is oder is’, ne oder ‘ne? Man mag gar nicht darüber nachdenken. Denn wer stellt sich schon gerne vor, wie sich jemand aus freien Stücken ein Bein amputiert? Ein Beitrag der kognitiven Neurowissenschaften zu dieser verhunzenden Unart steht indes noch aus. Vielleicht etabliert sich dereinst die Bezeichnung Linguale Erweichung.

Für beide Phänomene alltagssprachlicher Nachlässigkeit gibt es einen Gelehrtenterminus: Apokope für das Wortende und Aphärese für den Wortanfang. Ersteres kennen wir in statthafter Anwendung aus der Poesie, aus jenem feierlich-pathetischen Duktus, der Oden und Hymnen eigen ist. Zumeist im Tonfall der Anrufung: geh, wart usw.

Doch hier geht es um ein Hilfsverb und einen unbestimmten Artikel: ist und eine. Es geht nicht um sprachkünstlerische Besonderheiten, sondern um pure verbale Liederlichkeit, um sprech- und sprachpflegerische Verwahrlosung; oftmals praktiziert von Leuten, die sich in Bildungsfragen weit nach vorne mogeln.

Zu verdanken – und das ist keine zu weit hergeholte soziohistorische Mutmaßung – haben wir diese Wortverstümmelungen wohl dem linksintellektuellen Milieu. Als bürgerlich galt in den späten 1960er-Jahren schon eine saubere Artikulation. Vielleicht eine Überreaktion auf die Überprononcierung im damaligen Prof-Sprech, der Herren in Muff-Talaren mit ihren verstaubten Ansichten und unzeitgemäßen Curricula.

Eine Protagonistin dieser kultivierten Unkultur ist die dauerempörte Ex-Mitspitze der Grünen. Eigentlich eine herzensgute Frau, unentwegt für das gute Grüne kämpfend, die sich um die eigenen rhetorischen Störfälle nicht schert – alles menschlich, allzumenschlich. (… und Schiller musste sterben.)

Ihr Ex-Chef hingegen, karrieristisch einsichtig und wundersam wandelbar, ein Mensch, dennoch parteiintern mit ‘Gottvater’ betitelt, hat sich eines Passenderen besonnen. Der einstige Apo-Raudi, in seinem zweiten Leben als Homme de diplomatie weltrettend durch die Welt jettend, weiß doch am Ende immer, was sich gehört – und wie es gehört werden will. Den derlei Sprachverzerrungen ziemen sich nicht (mehr) für einen in Designer-Prêt-à-porter gewandeten Polit-Parvenü, der sich anschickt, der Kaste der Elder Statesman beizutreten. Und da Helmut Schmidt wohl doch nicht ewig leben kann, sich also, biologisch bedingt, eine Vakanz andeutet, scheint er der Hauptaspirant auf die Stelle des weltweisen Alleswissers. Hurra, die Polit-Talks werden rauchfrei!

Is toll – oder …