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Mission Titelverteidigung – der fünfte Stern fürs National-Kicker-Dress soll hinten rauskommen. Nur ein Traum?

Mit einer Sondermaschine der Lufthansa – denn sonderlich und besonders ist alles um die deutschen Ballermänner – ist die A-Mannschaft des DFB nebst Tross sicher im pseudodemokratischen Russland gelandet. Putin-Land, wo das systematische Doping gedeiht wie Unkraut im Vorgarten.

Hajo Seppelt, der eigentlich unerschrockene Investigativ-Bohrer der ARD, bekommt nun doch ein Visum, muss aber eine penetrante Befragung durch die russischen Behörden fürchten, die wiederum Schlimmeres nach sich ziehen könnten. Einschüchterung und Drohungen gehören zum Standardrepertoire der altgedienten KGB-Mannen um Wladimir Wladimirowitsch Putin. Jeder wie er kann. Dem Weltfußballoberfunktionär, Gianni Infantino (nicht weit weg von infantile = kindisch), ist das alles piepegal – Hauptsache die Rechnung geht auf und die Kohle stimmt. Beide loben einander, gebärden sich als ein Herz und eine Seele und desavouieren so den Sport im Allgemeinen und den Weltfußball im Besonderen. Pot and kettle.

Der Rubel rollt

Der Rubel rollt

Doch zurück zu Jogi, Jogis Kader-Kickern und seinem Finanzchef Bierhoff. Die Vorbereitungsspiele gegen Österreich und Saudi-Arabien waren besorgniserregend und Warnung genug. Die Relativierungs-Rhetorik von Trainer und Spielern danach ist hochnotpeinlich gewesen… Und ja, jetzt müsse auch mal Schluss sein mit der Anti-Özil-Gündogan-Kampagne. Das hätten sie wohl gern, die bigotten Schönredner! Entweder sind sie zu un-deutsch oder zu dumm – und dass es auch anders geht, hat der resolute Emre Can bewiesen. Man kann Nein sagen, Anbiederung an einen Autokraten ist keine Pflichtveranstaltung. Allein wegen dieser Unreife gehören sie aus der Nationalmannschaft entfernt. Punkt. Verantwortung, Toleranz, Respekt… pseudoethische Feigenblätter der Geldmaschine DFB-Nationalelf. Ganz schön widerlich. Vorbildfunktion für die Youngsters – Fehlanzeige. Vorbilder im Geldscheffeln vielleicht. Der Sport selbst ist das Vehikel dazu. Zum Kotzen!

… eine Eilmeldung auf meinem Smartphone: Hajo Seppelt fährt nun doch nicht nach Russland – zu gefährlich für ihn. So: Da hat ein gestandener Journalist Repressalien zu erwarten, wenn er ins WM-Land einreist. Gut, er war maßgeblich an der Aufdeckung des russischen Staatsdopings beteiligt – Freunde macht man sich damit ganz sicher nicht. Der McLaren-Report hat dies explizit untermauert. Diese Geheimdienstler von einst (Putin hatte den Rang eines KGB-Oberstleutnants als er Dresden 1990 verließ) sind nachtragende Menschen.

Zurück zum Sport – oder zu dem, was davon übrig geblieben ist. Der Gastgeber hat heute… oh, gestern sein Eröffnungsspiel deutlich und überzeugend mit 5:0 gewonnen, die Saudis wirkten träge und einfallslos. Ein geglückter Einstieg, in der Höhe allerdings etwas schmeichelhaft. Putins Gestik bei den Treffern war gegenüber dem Kronprinzen halb entschuldigend, halb schadenfroh. Infantino hat es ihm gleichgetan. Sacré farceur!

 

… so, die Vorrunde ist passé – und mit dem deutschen Fußball ist es wohl erst einmal auch.

Nach dem Ausscheiden ist die Blamage perfekt: die Mannen um Jögi Löw kehren gesengten Hauptes nach Deutschland zurück und es bleiben viele Fragen offen… Wie konnte es dazu kommen? Diese Frage führt uns zu dem Wie und dem Warum.

Spielerische Defizite wurden im Vorfeld durch schlecht gespielte Lässigkeit überspielt. Jogis sprichwörtliche Tiefenentspanntheit entpuppt sich als hypnotisches Mantra der Selbsttäuschung. Sattheit und Trägheit gehen bei einigen Spielern eine unheilvolle Allianz ein; sie wirken auf dem Spielfeld völlig derangiert, besetzen ihre Positionen nicht und geraten gehörig ins Schwimmen.

Fakt ist – für jedermann und jederfrau erkennbar –, dass der Mannschaft, die den Adler auf der Brust tragen d a r f, sowohl der Spielwitz als auch die Spielfreude abhanden gekommen sind. Die Mischung aus Alt-erfahrenen und Neu-heißen ging nicht auf. Missliche Selbstsuggestion statt mutige Selbstmotivation. Deutschland-Jogi hat es diesmal nicht vermocht, die vermeintlichen Elite-Kicker auf den richtigen (Erfolgs-) Kurs zu bringen, hat die verhätschelte Millionen-Truppe zudem taktisch falsch – oder zumindest unklug – eingestellt. Das geht aber auf die Kappe des gesamten Trainer-Stabes, inklusive des Managers und hauptamtlichen Geldzählers Oliver-„Ich-kann-den-Hals-nicht-voll-kriegen“ Bierhoff.

Khedira (der Mann bringt nun wirklich nichts mehr zustande, scheint nur noch Löws fleischgewordenes Maskottchen zu sein), Özil, Müller und vor allem Kroos sind zu Kroos-mäulern mutiert, deren große Zeiten abgelaufen sind. Alle blieben sie weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Hervorzuheben sind die beiden Jungspunde im DFB-Kader, Joshua Kimmich und Timo Werner. Sie haben famosen Einsatz gezeigt, den Unterschied indes konnten sie auch nicht machen. Ebenfalls infiziert vom rätselhaften Versagen.

Jetzt schlägt die Stunde der Draxlers, die während des Confed-Cups so leicht und voller Esprit aufgespielt hatten.

Fazit: Die Deutschen reihen sich in eine höchst obskure Negativ-Serie von Weltmeistern ein, die beim Folgeturnier bereits nach der Vorrunde die Segel streichen müssen. Putins bis hierher gelungene Propaganda-Veranstaltung geht mit dem Gastgeber weiter – jedoch ohne teutonische Präsenz. Dem Sport-Outfitter aus Herzogenaurach gehen abertausende Euro flöten und das Merkel hat einen veritablen Leidensgenossen gefunden.

Ende schlecht, alles gut.