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Ein Beispiel aus Ventschau im tiefsten Niedersachsen

 

Es ist mal wieder soweit: das letzte Juli-Wochenende naht und am Freitag und Samstag an demselben wird wild gerockt, ausgelassen und bunt gefeiert, gesund gegessen und getrunken, ausgestellt und aufgeklärt… und die Kinder kommen auch auf ihre Kosten mit tollen Angeboten, kreativ zu werden und viel Spaß zu haben.

Wo, bitte? Ventschau? Kennt doch keine Sau… denken vielleicht viele. Doch das ändert sich mit jeder Ausgabe des Benefiz-Festivals zur Unterstützung der Opfer und Betroffenen der atomaren Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima. Die Folgen und Schäden haben einen Ewigkeitscharakter und das Schicksal der Geschädigten darf nicht in Vergessenheit geraten. Das haben sich die couragierten und engagierten Macher auf ihre Fahnen geschrieben. Die gesammelten Gelder fließen in die Kassen von Hilfsinstitutionen oder in konkrete Projekte vor Ort.

Think global – act local. So könnte das Motto der e-Ventschauer lauten. Die Gruppen, die auf dem alten Heidehof der Familie Thiele aufspielen werden, kommen aus drei Kontinenten: aus Tel Aviv, den Vereinigten Staaten, aus Kolumbien und der Region selbst. Die Welt trifft sich inmitten einer idyllischen Landschaft – irgendwo in der norddeutschen Pampa. Das ist doch wunderbar!

… doch schauen wir noch einmal zurück… in die tiefsten 1970er Jahre, als es in der alten Bundesrepublik kräftig zu murren begann… Der Wahnwitz der sogenannten ‘friedlichen Nutzung’ der Kernenergie forderte viele Menschen heraus, denen die Schöpfung und die Erhaltung natürlicher Ressourcen tatsächlich ein Herzensanliegen war, für das auf den Straßen, den Bahndämmen und den Orten der Atom-Industrie gekämpft werden musste. ‘Gorleben soll leben’ war der ebenso prägnante wie einprägsame Slogan der Aktivisten im Wendland, unweit unseres Veranstaltungsortes.

Der damalige “Landesvater” und leibliche Vater der heutigen Bundesministerin der Verteidigung, Ernst Albrecht, hatte allen Ernstes vor, sein Bundesland in ein Atom-Land en miniature umzubauen. Nahe der deutsch-deutschen Grenze, im Zonenrandgebiet, sollte es alles geben: Atomkraftwerke zuallererst, dann Wiederaufbereitungsanlagen, Zwischen- und Endlager. Eine Spielwiese der Atom-Lobby und ein Gravitationszentrum der Nuklear-Industrie. Wie kann jemand, der laut Amtseid für das Wohlbefinden und die Unversehrtheit seiner “Landeskinder” vollmundig die Verantwortung übernimmt, ethisch-moralisch derart auf die schiefe Bahn geraten? Ein ausgewiesener Familienmensch, ein bekennender Christ und überzeugter Wertkonservativer. Es kam nicht gar so schlimm, aber schlimm genug, wie wir jetzt wissen und mit den Ewigkeitslasten schwer zu schaffen haben. Und die Energie-Riesen halten die Hand auf, wollen sich den Ausstieg – vom Steuerzahler – teuer bezahlen lassen.

Die Region – so könnte man sagen – ist ein gebranntes Kind, wurde zum Spielball von Politik und Wirtschaft. Gleichwohl hat sich in ihr eine ökologisch-kulturelle Infrastruktur (heraus-) gebildet, die seinesgleichen hierzulande sucht. Eine thematische Sensibilisierung und eine extreme Wachsamkeit haben sich als Folge einer Jahrzehnte währenden Auseinandersetzung mit Staatsmacht und Wirtschaftsmächten eingestellt. Deren Rechnung ging wohl nur halb auf. Von einem Happy-ending kann indes überhaupt keine Rede sein. Trotz zeitlich definiertem Ausstieg und anderer Ankündigungen die Findung eines zentralen Endlagers betreffend. Gorleben ist da auch noch nicht safe, ist mitnichten aus dem Schneider…

Doch zurück zu unserem Festival, das sich irgendwo zwischen ‘Kultureller Landpartie’ und ‘A Summer’s Tale’ im Event-Kalender behaupten muss. Dank der vielen Sponsoren und Kooperationspartner steht e-Ventschau auf ganz stabilen Beinen – und der Ticketverkauf sorgt zusätzlich für mehr Planungssicherheit und schafft finanzielle Spielräume. Man ist eben auch schon sechs Jahre dabei.

 

Bald mehr…

 

 

Alle Daten:hof_von_oben_max

Hof Thiele
Am Bruch 1
21371 Tosterglope
OT Ventschau

Karten:
Freitag 10 €
Samstag 15 €
Kombiticket 20 €

www.e-ventschau.de