Schon seit Jahren beobachten wir den Niedergang, den professionellen Verfall einer gesellschaftlichen Gruppe, die landläufig und schwammig Elite genannt wird. Jenen Teil unseres teuren und immer teureren Humankapitals, der uns allen durch Leistungsbereitschaft und -stärke, Effizienz und Intelligenz voraus (sein sollte) und in der Selbstwahrnehmung etwas Besonderes ist.

… war – denn die qualitativen Maßstäbe sind derart in den Keller gegangen, die Standards derart abgesunken, die Leistungsschwäche ist derart virulent geworden, dass man getrost von einer Performance-Krise in Führungsetagen und im Management sprechen kann.

Das Phänomen zieht sich genauso sichtbar durch Wirtschaftsunternehmen wie staatliche Institutionen. Ministerialbürokraten, Konzernlenker – alle sind befallen.

Sattheit, Egoismus, Dekadenz… was ist es, was die Leistungsträger von einst so fehlerbesetzt und dilettierend aussehen lässt?

Die Spitzen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft entpuppen sich nicht selten als stumpfe Zeitgenossen, die den Zeitgeist ignorieren und lieber in ihrer privilegierten Hängematte abliegen. Carevolution, sozial-ökologisches Engagement? Für die hochbezahlten Hobby-Golfer ist das Grün lediglich der Zielbereich am Ende des Fairways, auf dem man einlocht – und am 18. Loch dem Clubhaus ganz nahe ist. Dem Sehen und Gesehen-werden, den inoffiziellen Business-Talks und – wer‘s mag – dem Single Malt.

Bankenkriminalität ist an der Tagesordnung – Polizei, Steuerfahndung und Staatsanwaltschaften (vornehmlich die in ‘Mainhatten’) geben sich in den Foyers der Tower of Power die Klinke in die Hand. Die Herren und Damen in den weißen Westen haben schwarze Seelen bekommen. Das ganze Finanzmetier ist verkommen, von blanker Gier durchdrungen. Null Unternehmenskultur. Analogien zur organisierten Kriminalität sind nicht zufällig. Das Geschäftsgebaren ist frei von ethischer Selbstkontrolle.

Der Avantgarde-Impetus ist gänzlich abhandengekommen. Die Vorreiter von gestern sitzen heute auf lahmen Gäulen und geben die Zügel aus der Hand. Verantwortung für fehlerhaftes Handeln wird abgelehnt, die vermeintlichen Leistungsträger verweigern die Leistung.

In der Politik ist das Voraussehen, das aktive Gestalten einem notorischen Gegensteuern gewichen. Die politische Klasse scheint mit den wahren Herausforderungen unserer Zeit vollkommen überfordert zu sein. Kompromisse, die alles und jedes aufweichen, verfälschen, die eigentlichen Absichten unterminieren, sollen den Schwächsten unter den Koalitionären eine Art Identitätswahrung sichern helfen. Etwas, womit sie dann in den nächsten Wahlkampf ziehen können.

 

Die Tirade geht bald weiter!